Gilgamesh: Unerreicht und nie kopiert – Warum er einer meiner Lieblingscharaktere ist

Dieser Artikel enthält Spoiler zu Fate/Zero sowie Fate/Stay Night: Unlimited Blade Works (2014/15). Diese sind jedoch nur auf Gilgamesh und einige seiner Kämpfe bezogen und nicht wirklich auf die Handlung selbst. Entscheidet also selbst, ob ihr weiter lesen wollt.

Ich hatte vor ein paar Wochen ja schon angekündigt, dass noch ein paar Artikel zu Fate bei mir anstehen. Da ich zudem noch eine Artikel-Serie zu meinen Lieblingscharakteren aus dem Anime-Universum starten wollte, dachte ich, dass ich euch heute mal erzähle, warum Gilgamesh einer meiner großen Favoriten aus dem Nasuverse ist.

Gilgamesh Header

Wenn man sich bei Fans umhört, so ist der „König der Helden“ jemand, der die Massen durchaus spaltet. Vor allem männliche Fate-Zuschauer feiern ihn für seine „Badass-igkeit“, während andere sich fragen, wie man so einen platten, arroganten und selbstverliebten Charakter gut finden kann.

Für mich ist Gilgamesh jedoch viel mehr, als ein Charakter, der nur durch seine Coolness glänzt. Ihn jetzt 3 Staffeln Fate (Stay Night von Deen, sowie Zero und Unlimited Blade Works von Ufotable) habe ich Gilgamesh immer mehr als eine Person der Extreme wahrgenommen.

Ich hoffe euch ein bisschen näher bringen zu können, was ich damit meine und warum ich Gilgamesh für einen extrem unterschätzten Charakter halte. Dazu möchte ich mir zunächst anschauen, wie übermächtig und unerreicht der Gute eigentlich wirklich ist.

Der Übermächtige?

Einer der Punkte, über die man sicher wenig streiten kann, ist Gilgameshs Stärke als Diener. Dank seines Tor von Babylon besitzt er jeden Nobel Phantasm, der als Waffe existiert, und kann diesen nach belieben einsetzen. Dies allein garantiert schon, dass man ihm niemals in diesem Punkt überlegen sein kann. Gilgamesh besitzt einfach das mit Abstand beste Waffenarsenal des Nasuverse.

Doch damit nicht genug. Neben allen Waffen der Welt besitzt er auch noch zwei einzigartige, ganz besondere Nobel Phantasm:
Zum einen ist da Enkidu, die Ketten des Himmel, deren Stärke ansteigt, je nachdem wie groß die „Göttlichkeit“ von Gilgameshs Gegner ist. Der Legende nach könnte er damit sogar die Götter fesseln, was erklärt, warum sie sich als so effektiv im Kampf gegen Berserker zeigten.

Ea und Enkidu - Gilgamesh macht Ernst

Ea und Enkidu – Gilgamesh macht Ernst

Seine zweite Trumpfkarte ist Ea. Ea ist eine schwertähnliche Waffe mit rotierender Klinge, die nicht nur im Nahkampf auf einem Level mit den besten Nobel Phantasm steht, sondern wie Excalibur auch noch die Fähigkeit besitzt eine gewaltige Druckwelle zu erzeugen (Enuma Elish). Diese übertrumpft allerdings Sabers Nobel Phantasm bei weitem, was Artus legendäre Klinge wie einen billigen Abklatsch wirken lässt.
Der größte Trumpf, den diese Waffe jedoch darstellt, ist ihre Eigenschaft, dass sie einzig und allein für Gilgamesh „besteht“. So taucht sie nirgendwo in der Mythologie auf und selbst Shirou bzw. Archer kann sie nicht reproduzieren, da dies das einzige Schwert ist, dass in dieser Welt nicht existiert. Ea ist somit nicht nur unerreicht, sondern kann ihm auch nicht weggenommen oder kopiert werden.

Rein von seinem Arsenal an Waffen ausgehend, könnte man also vermuten, dass niemand Gilgamesh das Wasser reichen sollte. Was kann man jemandem schon anhaben, der theoretisch unendlich starke Ketten sowie die wohl mächtigste Nahkampfwaffe, die auch noch ganze Städte mit einem Schlag auslöschen kann, besitzt?

So übermächtig, wie Gilgamesh wirkt, ist er aber nicht. Saber zum Beispiel ist wohl derjenige Diener, der Gilgamesh am ehesten ebenwürdig ist. Denn als „einfacher König“ besitzt Arthur keine Göttlichkeit, was Enkidu nutzlos wirken lässt und auch wenn Excalibur eine leicht schwächere Version von Ea ist, so macht Saber dies mit ihrem Können mehr als wieder wett.

Saber kann Gilgamesh mehr als nur standhalten

Saber kann Gilgamesh mehr als nur standhalten

Denn das ist Gilgamesh größte physische Schwäche: Auch wenn er die besten Waffen der Welt besitzt, so sind die Statistiken, welche seinen Körper betreffen, maximal durchschnittlich. Er ist somit vielen Gegnern körperlich unterlegen und auch wenn er alle Nobel Phantasm besitzt, so hat kann er doch bei keinem von ihnen das volle Potential ausschöpfen. Allein eine tolle Waffe macht eben noch keinen guten Kämpfer und es gibt nichts, was jahrelanges Training mit einem Nobel Phantasm aufwiegen könnte.

Der Unerreichbare?

„König der Helden“, „König der Könige“, „Ältester König“ – All dies sind Titel, unter denen Gilgamesh – vor allem von sich selbst – genannt wird. Er sieht sich als ein Wesen, dass über allem steht und über alles herrschen kann.

Zugegebenermaßen: Wenn man in die Geschichte schaut, so war Gilgamesh als König von Mesopotamien nicht nur wirklich einer der größten Könige der Weltgeschichte sondern wurde noch zu Lebzeiten „in den Himmel gehoben“ und als eine Art Gott verehrt, was auch Jahrhunderte nach seinem Tod noch anhielt.

Es ist also wenig verwunderlich, dass dieser junge Mann mit einem überaus gesunden Selbstvertrauen daher kommt und sich für den größten König von allen hält. Denn welcher König kann schon von sich behaupten, zu zwei Dritteln göttlich zu sein?

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Mit diesem geschichtlichen Hintergrund finde ich Gilgameshs Arroganz sogar gerechtfertigt. Denn wenn die Diener wirklich die Ideale ihrer weltlichen Gegenstücke verkörpern, dann ist es nur logisch, dass jemand der sich selbst als Gott sieht, auch dementsprechend verhält.

Und es ist auch nicht so, als ob er diesem Ideal (oder Arroganz) nicht gerecht wird. In Fate/Zero erklärt er Saber und Rider ganz klar, dass sich Könige weder als Teil noch als Anführer des Volkes sehen sollten, sondern echte Könige über ihnen stehen und herrschen.

„Humanity“ is the name for an animal that cannot find joy in life without sacrifice. The pretty lie that is „equality“ is nonsense spouted by weaklings who cannot look upon the darkness. Nothing but an excuse to cover up life’s ugliness. – Gilgamesh in UBW

Gilgamesh ist der Meinung, dass die Mächtigen über den Schwachen stehen und vertritt dieses Ideal mit jeder seiner Aktionen. So verlor er seinen Kampf gegen Shirou auch nicht aus Arroganz sondern weil er sein Ideal über einen glanzvollen Sieg stellte und obwohl er sein Leben allem vorzieht, zögerte er doch lange genug Ea zu ziehen, dass Shirou ihm mehr als relevanten Schaden zufügen konnte.

Seine Trumpfkarte zu benutzten bedeutet für Gilgamesh, dass er seinen Gegner respektiert, was er insbesondere in den Kämpfen gegen Rider in Fate/Zero sowie gegen Shirou in Fate/Stay Night zeigt.

Rider hatte sich in Gilgamesh Augen durchaus verdient gemacht und er respektierte seine Existenz als König. Ihm wollte er deshalb vor allem aufzeigen, wie viel wirklich zwischen den beiden liegt, weshalb er mit Ea’s Enuma Elish seine stärkste Attacke benutzte, um ihn zu besiegen. Rider hatte ihm bewiesen, dass er etwas geleistet hatte und sich somit „verdient“ Gilgameshs wahre Macht zu sehen.

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Shirou auf der anderen Seite war ein einfacher Junge, der mit „leeren“ Händen vor den König der Könige tritt und denkt, er hätte eine Chance. In diesem Kampf ging es für Gilgamesh weniger darum Shirou den Unterschied aufzuzeigen, als sich selbst zu beweisen, dass er gegen einen einfachen „Faker“ ohne großen Aufwand gewinnen könne.

I shall grant you this… At this moment, you are powerful! – Gilgamesh vs Shirou in UBW

Jedoch erkennt Gilgamesh Shirous Stärke an, als er begreift, dass er ohne Ea tatsächlich sterben könnte. Sein Stolz lässt ihn aber zögern und so verliert er nach eigener Ansicht gegen Shirou, obwohl diesem das Mana ausgeht. Denn wer diesen Kampf gewinnt, stand für Gilgamesh nie in Frage. Shirous Sieg besteht einzig und allein darin, sich Gilgameshs Respekt verdient zu haben.

Der Beste

Aus diesem Grund ist Gilgamesh für mich neben Archer einer der besten Charaktere aus dem Fate-Universum. Im ersten Moment erscheint er als jemand, der nur arrogant und selbstverliebt ist. Während dies durchaus stimmt, ist die Quelle hierfür keine Illusion oder die Macht, die ihm zu Kopf gestiegen ist sondern stattdessen einfach nur ein immenses Selbstvertrauen. Denn während er sich selbst für den Größten hält, erlaubt er anderen, dies anzuzweifeln und nutzt diese Gelegenheiten, um dem anderen und sich selbst zu beweisen, wie viele Welten zwischen ihnen liegen.

screw the rules

Ich finde Type-Moon hat mit ihm einen einzigartigen Charakter erschaffen, der nicht wie viele andere durch Arroganz seine Kämpfe verliert, sondern weil er von vornherein bestimmt, wie viel er gegen seinen Gegner einsetzen will. Denn es ist keineswegs so, dass er seine Gegner unterschätzt, sondern viel mehr, dass er an sich selbst den Anspruch erhebt, diese nur mit einem bestimmten Teil seiner Kraft zu bezwingen.

Gilgamesh ist für mich der einzige übermächtige Charakter, der glaubhafte Schwächen in seinen Fähigkeiten und Persönlichkeiten besitzt. Seine Ansichten als König sind zudem sehr extrem, aber auch diese haben für mich eine Grundlage, die man nachvollziehen kann. Denn auch wenn es nicht danach aussieht, so macht er sich doch sorgen um sein Volk. Nur tut er dies um die Masse als ganzes und weniger um Individuen, weshalb er es auch nicht für schlimm hält, einige von ihnen zu opfern. Aber dazu in einem anderen Artikel mehr.

Gilgamesh People

Für mich ist Gilgamesh einfach der Beste, der „König der Helden“. Er ist ein Badass-Charakter mit Ansichten, die ich nicht unbedingt vertrete, aber bei denen ich die Art, auf die er sich für diese einsetzt, nur bewundern kann.
Denn für mich muss ein Lieblingscharakter nicht eine Person sein, die ich gern zum Freund hätte. Mir ist es wichtig, dass sie glaubhaft und nachvollziehbar ist und etwas besitzt, was ich woanders nicht finden kann.

Bei Gilgamesh ist es die Art, wie er sich selbst unmenschliche Maßstäbe und Ideale setzt und diese zu keinem Zeitpunkt in Frage stellt. Als Antagonist stellt er die Mauer für jeden seiner Gegner da, die diese für das Erreichen ihrer Ideale und Träume überwinden müssen und bringt auf diese Art das absolut Beste aus ihnen heraus, bevor sie ihn überwinden oder an ihm zerschellen.

Wenn ich also sage: „Ich liebe Gilgamesh“, dann liebe ich nicht ihn, sondern die Dialoge, Szenen und Gegner, die er mit seiner Existenz und Art erstrahlen lässt. Ich liebe die Stärke, die er ausstrahlt und die kontroversen Ansichten, mit denen er andere herausfordert. Jede Szene mit Gilgamesh ist – wie seine Rüstung – einfach absolut gold wert und deshalb ist er einer meiner Lieblingscharaktere.

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1 Antwort

  1. Joshua sagt:

    Sehr schöner Artikel , würde mich freuen sowas öfter zu lesen ( ich teile deine ansicht was Gilgamesh betrifft :D)

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