(K)eine Liebesgeschichte: Tsubaki Sawabe und Kousei Arima

Achtung! Massive Spoiler zu Shigatsu wa Kimi no Uso voraus.

Shigatsu wa Kimi no Uso ist nun etwas mehr als 3 Monate vorbei und so langsam hat sich meine Meinung dazu gefestigt. Der Grund weshalb ich hierfür so lange gebraucht habe, war, dass ich Shigatsu wirklich gerne geliebt hätte, aber es einfach nicht konnte. Das Ende fühlte sich für mich – aus zu dem Zeitpunkt unerfindlichen Gründen -einfach nicht überzeugend genug an.

Jetzt wo ein bisschen Zeit vergangen ist, denke ich, dass ich mich einfach einer Liebesgeschichte beraubt gefühlt habe, die in diesem Anime sicher lag, aber nur unbefriedigend ausgeführt wurde. Den Dieb, der mir diese Romanze geklaut hat, konnte ich auch ausmachen: Tsubaki Sawabe.

Tsubaki

Auf sie bin ich unheimlich wütend. Zwar würde ich nicht sagen, dass ich sie hasse, aber obwohl sie mir am Anfang unheimlich sympathisch war, konnte ich sie gegen Ende immer weniger ausstehen und mache sie jetzt im Nachhinein sogar dafür verantwortlich, dass ich Shigatsu nicht wundervoll fand, wie es hätte sein können.

Es ist keinesfalls so, dass ich sie als schlecht geschrieben sehe oder man nicht mit ihr mitfühlen könnte. Im Gegenteil: Für mich ist sie so gut ausgearbeitet, dass ich sie als jemanden sehe, den ich auch im realen Leben treffen könnte und als sehr authentisch wahrnehme (im Gegensatz zu z.B. Kaori). Jedoch ist es auch diese Authentizität, die es zulässt, dass ich wütend auf sie bin.

Die Scharade, die niemand lösen will

And then… I just told a single lie. „Kaori Miyazono likes Ryota Watari“ …that was the lie I told – Kaori Miyazono

Diese Lüge, die Kaori erst in ihrem Abschiedsbrief and Kousei offenbart, ist der Startpunkt für alles. Es ist eine Lüge, die eigentlich jeder der Charaktere (bis auf Kousei selbst) schon relativ früh in der Geschichte durchschaut aber aus den verschiedensten Gründen nicht auflösen möchte.

Kaoris Gründe dürften klar sein. Schließlich erklärt sie in ihrem Abschiedsbrief zu genüge, wie Tsubakis verborgene Gefühle es ihr unmöglich machten auf andere Weise Teil der Gruppe zu werden. Zudem wollte sie gerade gegen Ende keine Verbindung aufbauen, die Kousei nach ihrem Tod zerstören würde.

Watari ist wahrscheinlich der Erste, der begreift, wen Kaori wirklich mag. Schließlich ist es schon ein wenig verwunderlich, wenn deine Freundin deinen besten Freund und nicht dich wie jemand besonderen behandelt. Er steckt dies aber ohne Probleme weg, schließlich haben er und Kaori bis auf ihre Frohnaturen wenig gemeinsam und so macht er das beste draus und geht eine ungezwungene Freundschaft mit ihr ein, die mit 14 Jahren zwischen Mädchen und Jungen wohl als „Beziehung“ wahrgenommen werden würde.

watari-kaori

Denn Watari weiß, dass es nicht seine Aufgabe ist, dieses Liebesdreieck zu lösen. Zwar gibt er Kousei immer wieder mehr als eindeutige Hinweise, aber ansonsten mischt er sich als der wirkliche „Freund A“ nicht ein, sondern bleibt eher im Hintergrund. Gleichzeitig sorgt er aber als „Freund“ von Kaori dafür, dass das Band zwischen ihr und Kousei nicht reißt, auch wenn gerade Letzterer immer mal wieder gewaltig daran zerrt. Aus diesem Grund ist er auch mein Lieblingscharakter des Animes, da er zeigt, was ein wirklicher Freund alles für seine Liebsten tut.

Tsubaki jedoch, die wohl ungefähr in der Mitte des Animes Kaoris wahren Gefühle begriffen haben dürfte, ist die Einzige, die diese Scharade wirklich zu ihrem eigenen Vorteil nutzt, wenn auch nur unterbewusst.

Der Egoismus der Tsubaki Sawabe

Tsubaki liebt Kousei Arima. Sie hat dies wahrscheinlich schon immer getan, auch wenn sie sich das selbst erst sehr spät eingesteht. Zudem ist sie ein generell liebevoller, fürsorgender Mensch und kann sich dank tollem Einfühlungsvermögens sehr gut in andere hineinversetzen. Generell ist sie eigentlich jemand, den man gerne zum Freund hätte, da man sich auf sie immer verlassen kann.

Sawabe.Tsubaki.600.1844596

Tsubaki jedoch ist kein nettes Mädchen. Sie ist jemand, der sich vor allem Gedanken um sich selbst und ihre eigene Welt macht – und diese Welt ist nun einmal Kousei. Tsubaki interessiert sich für nichts, was nicht mit Kousei zu tun hat und dieser Umstand führt leider auch dazu, dass sie sich dasselbe von Kousei wünscht.

So liebt sie seine Musik, aber nur wenn er für sie spielt. Sie versteht sich gut mir Kaori, aber diese Freundschaft ist nicht einmal mehr viert-ranging, als sie ihre Gefühle für Kousei begreift. Kousei ist für sie alles und aus diesem Grund soll sie auch alles für Kousei bedeuten.

Dies ist es, was ich nicht an ihr leiden kann. Anstatt Kousei als Ganzes mit all seiner Leidenschaft und Liebe für gewisse Dinge zu lieben, will sie ihn am liebsten von der Außenwelt abschneiden und komplett für sich allein haben. Eventuell hat sie Angst, dass die Musik oder Kaori ihren Platz in seinem Leben einnehmen, was sie zu dieser Ansicht treibt. Aber genau dies ist es, was mich daran zweifeln lässt, ob Tsubaki echte Liebe für Kousei empfindet.

kousei-tsubaki-moonlight

Denn echte Liebe bedeutet für mich vor allem zwei Dinge:

Zum einen, dass man dem anderen vertraut. Denn wahre Liebe bedeutet, dass ich weiß, dass der andere die Person ist, mit der ich mein Leben verbringen möchte. Deshalb sollte man nicht davon ausgehen, dass diese Person einen mutwillig anlügt, verletzt oder verlässt. Doch Tsubaki wirft Kousei ständig vor, dass er sie zurücklassen würde, wenn er sich mal mit etwas anderem als ihr beschäftigt. Dabei würde Kousei für sie, ob er sie liebt oder nicht, in die Tiefen der Hölle hinabsteigen, um sie zu holen.

Kousei-tsubaki

Der zweite Punkt ist, dass Liebe bedeutet, dass einem das Glück des anderen wichtig ist. Kousei zeigt dies sehr gut, da er Kaori so sehr liebt, dass er mit ihr leidet oder sich mit ihr freut, egal ob sie seine Liebe erwidert oder nicht.
Tsubaki dagegen würde Kouseis Ambitionen ins Ausland zu gehen am liebsten sabotieren. Sie fühlt sich von Kaori so sehr bedroht, dass sie nicht nur sie links liegen lässt, sondern auch Kouseis Sorge um sie nicht wahrnimmt/ignoriert. Tsubaki denkt den ganzen Tag nur an ihn oder über ihn nach, aber sie macht sich keine wirklichen Gedanken UM ihn.

Deswegen weiß ich nicht, ob ihre Gefühle für Kousei echt sind oder ob sie nur Angst hat, die einzige Person zu verlieren, die ihr Leben ein klein wenig ausfüllt. In beiden Fällen ist es jedoch extrem egoistisch von ihr die Gefühle all ihrer Freunde in ihrem eigenen Leid zu vergessen.

Daher stammt meine Wut auf sie, da ich persönlich einfach jemand bin, der, selbst wenn es ihm miserable geht, noch für seine Freunde da ist. Sie darf leiden, sie darf eifersüchtig auf Kaori sein, aber am Ende sollte man trotz all dieser Gefühle noch für seine Freunde da sein. An dieser Stelle hat Tsubaki mich leider vollkommen enttäuscht.

Keine Liebesgeschichte

Dadurch, dass aber alle anderen Rücksicht auf Tsubaki genommen haben (gerade Kaori), enthält mir Shigatsu diesen einen, einzigartigen Moment wirklicher Romantik vor. Selbst die tolle Szene zwischen Kaori und Kousei auf dem Dach fiel unter „Freundschaft“, da keiner von beiden wirklich seine Gefühle offenbaren durfte.

Dies wäre vollkommen ok gewesen, wenn die Beziehung zwischen Tsubaki und Kousei ein befriedigerendes Ende genommen hätte. Jedoch bin ich nicht einmal sicher, wie sich das Ganze zwischen den beiden entwickeln wird. Verliebt sich Kousei wirklich in sie? Ich bezweifle es. Er wird es sicherlich versuchen, aber was hat Tsubaki schon zu bieten? Für sie dreht sich alles um Kousei, aber dadurch hat sie nichts eigenes. Nichts, wodurch er wirklich in ihren Bann gezogen werden könnte. Wenn er am Ende mit ihr zusammenkommt, dann vor allem, weil er glaubt, dass er das müsste.

And you...

And you…

Aber selbst wenn Kousei sich auf sie einlässt… Ist Tsubaki wirklich ok damit, ihn zu dieser Beziehung gezwungen zu haben? Denn auch wenn es im ersten Moment wie ein dramatisches/süßes Geständnis wirkte, zwingt die Szene im Regen Kousei im wahrsten Sinne dazu, Tsubaki zu lieben. Kann man da wirklich von „Happy End“ sprechen?

Deshalb fühle ich mich von Shigatsu ein klein wenig betrogen. Denn eigentlich wurde nur gezeigt, dass man für Liebe nicht einmal kämpfen sollte (Kaori & Kousei), Freundschaft nur so lange hält, wie man nicht hinter demselben Jungen her ist (Kaori & Tsubaki) und generell Liebe wichtiger als Freundschaft ist (Kousei & Tsubaki).

Diese Statements finde ich als kritische Frage (in anderen Animes) sogar vollkommen in Ordnung. Jedoch habe ich den Eindruck, dass der Autor eigentlich etwas anderes sagen wollte, mich aber mit diesen Aussagen und dem Gefühl, dass mir ein gestelltes Happy End vorgegaukelt wurde, zurücklässt. Aus diesem Grund kann ich Shigatsu nicht „hervorragend“ und auch nicht „sehr gut“ sondern einfach nur „gut“ finden. Denn auch wenn er wirklich toll umgesetzt wurde, hinterlässt er bei mir keinen wirklich bleibenden Eindruck.

Das war jetzt natürlich eine sehr subjektive Meinung von mir, die vor allem auf den Gefühlen beruht, die mir der Anime vermittelt hat. Deshalb bin ich gerade bei diesem Artikel gespannt, wie ihr Shigatsu fandet und was bei euch hängen geblieben ist. Also rein damit in die Kommentare, ich denke hier kann man sehr schön diskutieren.

Das könnte Dich auch interessieren...

1 Antwort

  1. Scatlight sagt:

    Ein wirklich guter Artikel. Deine Meinung zu Tsubaki war sehr interessant und du hast dir auch viel Gedanken gemacht. Nur bin ich nicht derselben Meinung.

    “Sie ist jemand, der sich vor allem Gedanken um sich selbst und ihre eigene Welt macht – und diese Welt ist nun einmal Kousei.”

    Diesem Statement kann ich nicht zustimmen und möchte es auch nicht auf Tsubaki so sitzen lassen. Es stimmt zwar schon, dass Kousei eine wichtige bzw. die wichtigste Rolle in Ihrem Leben spielt aber dass Sie dabei auch nur an sich und Ihr eigens Glück denkt ist aus meiner Sicht nicht korrekt.
    Wie du in deinem Artikel schon erwähnt hast, haben so gut wie alle schon ziemlich früh die Lüge bemerkt und auch Tsubaki wusste das Kaori in Kousei verliebt war.
    Ich glaube auch deshalb ist Sie auch eine Beziehung mit Seitou gegangen. Nicht nur, weil Sie früher mal in In verliebt war sondern um die Liebe zu Kousei zu vergessen. Ich glaube Tsubaki war es schon bewusst, dass Sie mehr in Kousei sieht als einen guten Freund nur war Ihr nicht klar wie Stark Ihre Gefühle doch für Ihn waren. Als Sie die Beziehung eingegangen ist, hat Tsubaki auch an Kousei gedacht und auch an Kaori. Sie wollte nicht zwischen den beiden stehen. Doch wie vorher erwähnt hat Sie Ihre Gefühle sehr unterschätzt und es konnte einfach nicht funktionieren. Deshalb ging das ganze auch schnell in die Brüche. Auch Seitou hat gesehen das Tsubaki darunter nur leidet und konnte es nicht mit ansehen.
    Auch hat Tsubaki öfters vorgeschlagen Kaori im Krankenhaus zu besuchen. Das hätte Sie nie getan, wenn Sie nur an sich gedacht hätte.

    Aber warte, da kommt noch mehr!

    Was dir womöglich als Egoistisch und selbstsüchtig vorgekommen ist, gerade eben weil es so schien, dass Sie sich nur in die eigenen Karten gespielt hat war eher das Gegenteil. Sie hat nur an Ihren Liebsten gedacht und wie Sie es schafft, dass Kousei weniger leidet.
    Wirklich das einzige was man Ihr in diese Richtung vorwerfen kann ist, dass Sie es nicht akzeptieren konnte, dass Kousei eventuell ins Ausland geht und auch etwas das Tsuabki kaum an Kaori gedacht hat. Hier geb ich dir sogar recht. Aber dies beruht auch etwas an ihrer Verzweiflung an der Situation.

    “… you have no choice but to love me!”

    Es ging Kaori zunehmend schlechter und dementsprechend ging es auch Kousei nicht gut. Es war schwer für Ihn und was ich glaube zum einen war es auch Egoistisch von Ihr ihn die Liebe aufzwingen zu wollen. Aber dabei hat Sie auch an Ihn gedacht. Liebe mich, denke an mich und übertrage all deine Gefühle die du für Kaori empfindest an mich. Sie wollte Ihn nicht weiter verzweifeln sehen, Ihn nicht wieder in dem Zustand sehen nachdem seine Mutter gestorben war und er wieder die Musik niederlegt. Gerade jetzt, wo er wieder Freude an der Musik hatte und Sie eine schöne Zeit hatten. Sie hatte Angst um Kousei.

    Vielleicht. war es nicht ganz richtig so zu handeln, doch Ich kann Sie verstehen. Derjenige, den Sie so sehr liebt entfernt sich immer weiter von Ihr und auch gegen seinen Schmerz konnte Tsubaki nichts tun. Naja so zumindest ist meine Meinung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.