Der Weg zum Ass – Die Notwendigkeit von Rivalen

Im zweiten Teil meines Artikels  zum Thema, was ich mir von mehr Sport-Anime wünsche, möchte ich darauf eingehen, warum eine gesunde Rivalität so wichtig ist und warum viele Manga/Anime diese nicht richtig ausarbeiten können, aber sollten.

Ich hatte ja bereits in dem Haikyuu!!-Teil einige Worte dazu verloren, dass man generell erst einmal um einen Startplatz kämpfen muss, bevor man gegen andere Teams antreten darf. Was Haikyuu!! jedoch nicht ganz so ausführlich behandelt, ist die Auseinandersetzung mit direkten Rivalen.

Volleyball als Sportart an sich lässt ohne Probleme zu, mehrere starke Spieler im Team und sogar auf der selben Position zu haben. Aus- und Wiedereinwechslungen sind möglich und das Rotationsprinzip sorgt dafür, dass eigentlich sowieso jede Position doppelt besetzt sein muss. Zwar scheint Haikyuu!! gerade jetzt in der zweiten Staffel auch ein wenig Fokus auf die Tsukki-Hinata-Rivalität zu legen, aber ein wirklich großes Thema wird dies wohl nie sein.

Ganz anders ist da Diamond no Ace. Der Baseball Manga aus dem Shounen Magazine geht einen anderen Weg, als die meisten seiner Kollegen aus dem Shounen Jump. Anstatt seinen Protagonisten in ein heruntergekommenes, ehemaliges Powerhouse zu stecken, wird Eijun Sawamura als Pitcher direkt von einer der stärksten Schulen in Tokyo rekrutiert. Der Unterschied zu Hinata, Kuroko und Co. ist, dass er zum einen bis auf eine ungewöhnliche (weil falsch gelernte) Wurfform eigentlich keine einzigartige oder unverzichtbare Fähigkeit mit sich bringt, die ihn direkt ins Team katapultiert.

Im Gegenteil: Er muss sich von der 3. Mannschaft hocharbeiten und erhält zeitweise sogar Trainingsverbot, weil er sich zunächst nicht an Regeln halten kann. Die erste Staffel des Animes besteht aus 75 Folgen und in offiziellen Matches spielen sieht man ihn in vielleicht 5 davon. Die restliche Zeit darf der Zuschauer erleben, wie Sawamura immer wieder scheitert, seine Grenzen aufgezeigt bekommt und mehr als einmal gesagt bekommt, dass er es an dieser Schule wahrscheinlich zu nichts bringen wird.

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Ein wichtiger Grund für diesen Frust, den Sawamura durchlebt ist neben der allgemein starken Konkurrenz im Team vor allem Satoru Furuya. Dieser ist ebenfalls im ersten Jahrgang, besitzt aber bereits einen extrem starken Wurf, der ihn nach wenigen Wochen schon ins erste Team bringt. Dies bedeutet nicht, dass Furuya perfekt ist. Regelmäßig sieht man auch ihn am Ende seiner Kräfte oder erlebt, wie er in wichtigen Situationen versagt. Auch er begeht Fehler und wächst an diesen, so dass er mit der Zeit immer besser und schnell eine feste Größe im Team wird.

Es ist interessant zu sehen, dass nach über 100 folgen Sawamura immer noch versucht auf Furuya aufzuschließen und sich gegen ihn durchzusetzen, nur um immer wieder knapp hinter ihm ins Ziel einzulaufen. Dabei schafft es der Autor, dass man Furuya zwar gerne als Feind sehen würde, dies aber nicht kann, da er weder unsympathisch ist, noch weniger arbeitet als Sawamura. Es ist sogar so, dass wenn man Sawamura aus dem Anime entfernen würde, Furuya eigentlich der perfekte Protagonist für eine typische Shounen-Serie wäre, der sein Team nach einer langen Durststrecke mal wieder zu einem Turniersieg führen könnte.

Diese Rivalität, die diese beiden haben, ist einzigartig. Denn auch wenn Sawamura immer hinter im her zu rennen scheint, so ist er doch immer mal wieder nah genug dran, um Furuya wiederum seinen Atem spüren zu lassen. Beide wollen den jeweils anderen nicht auf dem Mount (dem Hügel von dem die Pitcher aus werfen) stehen sehen, da sie auf diese Art die Stärke ihres Kontrahenten mitansehen müssen, während sie selbst machtlos auf der Bank sitzen. Was diese Dynamik aber so einzigartig macht, ist, dass obwohl beide den jeweils anderen hinter sich lassen wollen, erlauben sie diesem nicht, auch nur eine Sekunde zu schwächeln.

Es gibt mehrere Szenen, in denen Sawamura Furuya nach einem Fehler Mut zu spricht und auch wenn Furuya immer angespannt ist, wenn Sawamura Pitcht, so will er doch keine Fehler von ihm sehen. Denn neben der Rivalität sind die zwei eben auch Teamkameraden und mittlerweile sogar ein Stück weit Freunde geworden. Zudem erlaubt es ihr innerer Stolz nicht, einen Sieg zu erringen, weil der andere verliert. Sie wollen sich unbedingt gegen den bestmöglichen Gegner durchsetzen und auch wenn sie mit aller Macht auf dem Feld stehen wollen, hat ein Sieg des Teams immer Vorrang.

Satoru Furuya - der Rivale

Satoru Furuya – der Rivale

Viele Shounen-Anime verzichten auf diese „echten“ Rivalitäten, die sich nur entwickeln können, wenn die Kontrahenten auch wirklich zusammen gewachsen sind und nicht nur der Protagonist seinen Rivalen einholt, bezwingt und (gerade in länger laufenden Serien) schließlich hinter sich zurücklässt. Viel zu viele Autoren scheinen davor zurückzuschrecken einen echten Rivalen einzuführen ohne diesen zum Feind zu erklären und viele Freunde des Hauptcharakters verkommen zu mehr oder weniger Sidekicks. Die einzigen anderen Ausnahmen von der Regel, die mir einfallen wären Vali aus Highschool DxD oder Joey Wheeler aus Yu-Gi-Oh!, die aber auf Grund von Abwesenheit oder fehlendem Wunsch sich mit ihrem Freund/Rivalen zu messen auch bei weitem nicht an diese besondere Beziehung von Sawamura und Furuya heranreichen.

Ich denke viele Autoren schrecken vor so einer Art Rivalität in ihren Werken zurück, weil sie unheimlich schwer zu schreiben ist. Man muss es schaffen den Fokus nicht vom Protagonisten weichen zu lassen und die Spannung hoch zu halten, ohne die Fans zu sehr Frusten und somit vielleicht zu vergraulen. Im Internet gibt es bereits einige, die nicht damit glücklich sind, dass nach über 100 Folgen Sawamura immer noch nicht der Starter für Seidou ist, aber meiner Meinung nach macht Yuuji Terajima mit seinem Manga einen exzellenten Job und der Frust, den viele Fans spüren, ist einfach derjenige, den Sawamura ebenfalls spüren muss.

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Aber eben dieser Frust bzw. diese Spannung ist es, die zu so großartigen Momenten führen kann, wie Diamond no Ace sie aktuell regelmäßig hat. Man weiß nie genau was passiert und fiebert in den Spielen dadurch jede Sekunde mit. Deswegen sollten für mich mehr Sport-Anime und Shounen generell mehr auf solche Beziehungen setzen, da sie richtig umgesetzt einen absoluten Mehrwert bieten.

Im dritten und letzten Teil geht es dann noch darum, wie man diese Zeit, in der man das Training zeigt und die Rivalitäten, die im Team entstehen können, nutzt, um atemberaubend spannende Momente zu erschaffen. Denn das Thema wird sein, was es unter solchen Vorraussetzungen bedeutet, auf dem Feld zu stehen.

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