Keine großen Namen, aber starke Serien – der Anime Spring 2016

Selten gab es eine Season auf die ich mich so wenig gefreut habe, wie auf diese. Denn was große Namen anging war für mich im Spring 2016 so gut wie nichts dabei. Nach einem Jahr voller Unlimited Blade WorksShokugeki no Soma und Haikyuu!! war dies die erste Season seit langem in der es nichts gab, auf das ich mich riesig gefreut hätte. Zwar wusste ich, dass mit Kiznaiver und Boku no Hero Academia mindestens zwei Titel dabei sein würden, die aufgrund eines namhaften Studios oder einer bereits erfolgreichen Mangavorlage nicht allzu schlecht sein sollten, aber wirklich verlassen konnte ich mich darauf nicht. Tatsächlich war der einzige Titel, an den ich irgendwelche Erwartungen hatte, die zweite Staffel von The Asterisk War, aber diese waren im Hinblick auf die erste Staffel eher unterirdisch.

Rechts: Alle BnHA Manga-Leser, Links: ich

Rechts: Alle BnHA Manga-Leser, Links: ich

Doch jetzt, nach etwa der Hälfte der Season, darf ich feststellen, dass es ganze 17 Anime auf meine „Watchlist“ geschafft haben. Für diejenigen unter euch, die nur interessiert was ich schaue, die können einfach auf MyAnimeList schauen. Für den Rest möchte ich so kurz wie möglich erzählen, was ich warum schaue.

Das, was es jede Season gibt

Da ich ein Fan von Spannungskurven bin, fangen mir mit den Titeln an, bei denen ich selbst nicht so genau weiß, warum ich sie schaue. Zu Anne Happy♪Hundred und The Asterisk War gibt es aber auch einfach nichts zu sagen. Ihr bekommt ziemlich genau das, was man auf den Postern bereits erkennt: einen typischen Moe-„Slice of Life“-Titel und zwei absolut generische Action Harem.

Auch zu Mayoiga (Lost Village) und Netoge… habe ich aktuell noch keine festgesetzte Meinung. Mayoigas Wirken hängt stark von seinem Ende ab und ob sich das aufgebaute Mysterium auszahlt oder ob es mich, wie z.B, die US-Serie Lost eher enttäuscht. Netoge gefällt mir eigentlich richtig gut und ich mag auch die Romanze, die sich entwickelt. Aber wirklich vom Hocker gehauen hat mich dieser neue Online-Spiel-Anime noch nicht so richtig.

Die zwei größeren Manga-Adaptionen dieser Season sind ebenfalls nicht viel der Rede wert. Vor allem, weil dazu eigentlich schon alles mehrfach gesagt wurde.

Boku no Hero Academia spielt definitiv im oberen Drittel dieser Season mit, hat mich aber bisher noch nicht von mehr überzeugt, als dass es ein weiterer typischer (wenn auch gelungener) Jump-Shounen ist. Ich muss sagen, dass ich aktuell noch nicht das verlangen habe, nach dem Manga zu greifen. Vielleicht ändert sich das noch, aber ich bin dieser standardisierten Jump-Formel nach Naruto, Bleach, One Piece, etc. momentan einfach ein wenig überdrüssig. Definitiv sehenswert, ist aber auch nichts wirklich neues.

big orderBig Order  ist glaube ich ein wenig untergegangen, dabei sollten alle alten Mirai Nikki Fans unbedingt dieses neue Werk von Schöpfer Sakae Esuno schauen. Die Adaption ist durchaus gelungen, auch wenn Big Order ebenso wie sein erfolgreicher Vorgänger unter einigen Löchern in der Geschichte und nicht immer gut geschriebenen Charakteren leidet. Die letzten Folgen fand ich persönlich jedoch sehr sehenswert, allein schon weil Eiji viel selbstbewusster als Yuki ist. Ich kann ihn nicht ruhigen Gewissens empfehlen, aber wer über Fehler tendenziell hinwegsehen kann, wird hier sicher einen spannende Welt vorfinden.

Falls ihr etwas zu Lachen braucht

Gerade was Comedy/“Slice of Life“ Anime angeht ist diese Season mit verdammt starken Titeln vertreten. Zwar sind die meisten dieser Titel ziemlich nischenlastig, jedoch macht gerade das es auch unheimlich einfach sich den Titel heraus zu suchen, der einen anspricht.

Bakuon!! ist quasi K-On auf Motorrädern und trumpft mit erstaunlich interessanten Details zum Thema „Biken“ auf. Auch wenn man mehrmals die Folge wegen platten Sprüchen oder Fanservice mit den Augen rollt, gab es auch keine einzige, bei der ich nicht mindestens einmal heftig lachen musste. Wenn ihr auf Anime steht, von denen ihr nie gedacht hättet, dass sie so existieren, dann ist das hier genau euer Ding.

bakuon

Kuma Miko erzählt die skurrile Story von einem Schrein-Mädchen, dessen bester Freund ein lebendiger, ausgewachsener, sprechender Bär ist und das gerne in die Großstadt ziehen würde. Dabei lebt sie mehr oder weniger am Ende der Welt und ihr ist alles befremdlich, das modern ist oder das mehr als 10 Leute am Tag besuchen. Wer auf abgefahrene Charaktere und Geschichten darüber, wie schwer es ist, in einem Einkaufscenter einzukaufen, steht, der wird hier voll und ganz bedient.

Ace Attorney hingegen ist an sich gar nicht so lustig, aber eine sehr detailgetreue Adaption der Spiele-Vorlage. Leider macht sie genau dies „oberpeinlich“ (das ist tatsächlich die deutsch Übersetzung von „cringeworthy“), aber wenn man die Spiele gespielt hat, lässt es einen doch nostalgisch schwärmen und man hat Spaß daran.

Zwei Anime, die auf den ersten Blick auch eher Nische erscheinen, aber von denen jeder zumindest mal eine Folge gesehen haben sollte, sind Flying Witch und Sakamoto desu ga?.

Flying Witch erzählt eine wunderschöne „Slice of Life“ Geschichte über eine Hexe am Ende ihrer Ausbildung. Hexen werden dabei nicht so aufgebraust wie heute üblich dargestellt, sondern lehnen sich eher an die Kräuterhexen an, welche einfach mehr über die Natur wissen, als andere. Die Charaktere sind allesamt liebenswert und machen Flying Witch zu einem dieser Anime, die man super zur Entspannung schauen kann. Falls ihr One Week Friends oder Barakamon mochtet, ist dies ein Titel auf den ihr ohne es zu wissen gewartet habt.

Darf ich vorstellen: Sakamoto

Darf ich vorstellen: Sakamoto

Sakamoto desu ga? ist einer der skurrilsten Anime, die ich seit langem gesehen habe und er ist eigentlich unbeschreiblich. Deswegen hierzu nur zwei Dinge:

  1. Er ist verdammt lustig.
  2. „Cool, Cooler, Coolest“

Schaut auf jeden Fall mal hinein, sonst verpasst ihr was!

Was ihr unbedingt sehen müsst

Normalerweise, wenn mich jemand fragt, welchen Titel ich diese Season auf jeden Fall weiterempfehlen würde, dann fallen mir in der Regel maximal 1-2 Titel ein. Diese Season sind es dagegen ganze fünf, bei denen ich mir vorstellen könnte, am Ende eine 9 oder 10 zu vergeben.

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Da wäre zunächst Bungou Stray Dogs. Durch das wegfallen von Diamond no Ace sind bei Studio Bones wohl einige Ressourcen frei geworden. Denn wär hätte gedacht, dass  sie es schaffen würden, gleich zwei richtig gute Anime in dieser Season rauszuhauen? (der andere ist BnHA) Mit dem für mich zweitbesten Charakterdesign diese Season dominieren sie aktuell Pixiv und Tumblr und auch die Personen selbst sind interessant geschrieben. Der Anime ist nicht unbedingt mit einer herausragenden Geschichte gesegnet, aber was ihn für mich besonders macht, ist die Art, in der die Charaktere real präsentiert werden, trotz ihrer abstrusen Angewohnheiten und Fähigkeiten. Damit machen sie die Folgen auf eine Art interessant, wie man es nicht oft sieht. Ich bin guter Dinge, dass dieser Titel das erfüllt, was ich mir von zwei Staffeln Hamatora versprochen habe: Einen unterhaltsamen Anime, rund um Menschen mit „schwachen“ Superkräften und den skurrilen Situationen, in denen sie landen.

Koutetsujou no Kabaneri (Kabaneri of the Iron Fortress) hatte für mich die beste erste Folgen von allen Anime dieser Season. Wer mich ein wenig besser kennt, der weiß, dass ich an Wit Studios früheren Anläufen mit ähnlichen Prämissen (Attack on TitanSeraph of the End) gerade an den Hauptcharakteren viel auszusetzen hatte. Ich mag es einfach nicht, wenn ich mit einem Protagonisten mitfiebern soll, der in einer postapokalyptischen Welt nicht mehr als ein großes Mundwerk hat. Doch Kabaneri macht zum Glück von Anfang an klar, dass wir hier einen Jungen vorfinden, der weder weinerlich, noch unfähig, unbeherrscht oder dumm ist. Im Gegenteil, er ist jemand, den ich von Anfang an respektieren kann. Er tut alles, um die Leute um ihn herum zu retten, geht dabei mit Köpfchen vor und zeigt doch, wie ängstlich er ist, wenn er dem unvermeidlichen Tod ins Auge sieht. Leider sind die letzten Folgen „nur“ sehr gut und nicht so fantastisch wie die ersten zwei, aber sofern er dieses Niveau halten kann ist er definitiv einer der besten Anime diese Season.

Er erinnert schon ein wenig an Eren. Nur in besser

Er erinnert schon ein wenig an Eren. Nur in besser

Habt ihr euch jemals gefragt, wie James Bond in Anime-Form aussieht? Ich glaube Joker Game trifft diese Vorstellung schon recht gut und zeigt dabei, dass Spionage auch ohne hübsche Frauen und Gadgets super spannend sein kann. Das Episodenformat, in dem jede Mal eine andere Kurzgeschichte erzählt wird, ermöglicht jede Folge 1-2 überraschende Wendungen und hält die Spannung permanent hoch. Als Bonus erfährt man noch ein klein wenig darüber, wie der 2. Weltkrieg aus japanischer Sicht aussah und darf sich jede Folge das für mich beste Opening der Season ansehen. Es bleibt abzuwarten, ob die einzelnen Missionen der vielen unterschiedlichen Charaktere am Ende doch zusammenhängen und die Serie ordentlich abrunden, aber auch so ist Joker Game jetzt schon einer meiner Top-Titel dieser Season.

Ich muss zugeben, dass ich Re:Zero zunächst unterschätzt habe. Die erste, einstündige Folge war zwar interessant, aber ich befürchtete, dass es wie viele andere SAO-Klone schnell an fahrt verliert und in der Mittelmäßigkeit verschwindet. Jedoch durfte ich bereits kurz danach mit Freuden feststellen: Dieser Anime ist in Wirklichkeit Steins;Gate und versteckt sich nur im SAO Mantel. White Fox hatte damals bewiesen, dass sie Zeitschleifen beherrschen und auch dieses Mal fangen sie den Horror, den sie bereiten können, trotz der unbeschwerten Charaktere wieder super ein. Keine Schleife ist wie die andere und ähnlich wie bei Kabaneri ist auch dieser Hauptcharakter weder ängstlich noch gleichgültig gegenüber den ständigen Wiederholungen, die ihn ereilen. Dafür gibt es eine hundertprozentige Empfehlung von mir.
Gigguk hat diese Woche zudem ein super Video zu Re:Zero herausgebracht, dass ich jedem nur ans Herz legen kann:

Mein Lieblingsanime der bisherigen Season ist am Ende aber doch ein anderer. Ich war ja schon immer ein absoluter Studio Trigger Fan, was die Kill La Kill und Inou-Battle Poster über meinem Schreibtisch und mein Artikel vor einiger Zeit zeigen. Alle zwei Jahre bringt dieses Studio einen Titel heraus, den ich absolut feiere und auch dieses mal haben sie mich nicht enttäuscht.
Denn Kiznaiver ist für mich ein ganz besonderer Anime. Nicht nur dass ich das Charakterdesign absolut liebe, mit den bunten Haarfarben, die gleichzeitig die Persönlichkeit widerspiegeln – auch das Konzept der Schmerzteilung ist absolut grandios und das nicht nur, weil es etwas Neues ist. Der Anime ist in typischer Trigger-Manier sehr heiter aufgebaut, obwohl er sich eigentlich mit sehr tiefen Problemen und fragen auseinandersetzt. Was braucht es, um Freunde zu werden? Können Menschen zu unterschiedlich sein? Wie schafft man es, dass alle Menschen miteinander auskommen? All diese Charaktere und Fragen ergeben zusammen mit der 1A-Animation und Musik, viel Humor so wie einem tollen Opening und Ending den für mich besten Anime dieser Season.

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Wie seht ihr das? Was ist euer Favorit? Hinterlasst mir doch einen Kommentar.

P.S. Das Beitragsbild ist übrigens von 贺崽Load. Mehr findet ihr hier: Link zum Bild

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